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Kinder brauchen Ruhe und Vorbilder!

ein Bericht von Ernst Schicklgruber vom NÖFV

Thomas Steiner war einst Obmann Stv. des NÖ Schiedsrichter Kollegiums (NÖSK) und Referent für den Talente- und Sichtungskader. Bekannt ist er jetzt bei der Kicker Familie vielmehr aus dem Fernsehen, wo er bei Live Spielen strittige Entscheidungen des Unparteiischen erörtert und aufklärt, erst kürzlich von Wolfgang Winheim im Kurier als „ORF Regelpapst“ bezeichnet wurde.

In der Kolumne „Masochisten“ berichtet Winheim über Entgleisungen gegenüber Schiedsrichtern, deren Wahrnehmungen in der Superzeitlupe gnadenlos zerpflückt werden, man sie dann beschimpft oder ihnen das (aber nicht vorgeschriebene) Essen verwehrt. Gleichzeitig las man darin aber auch, dass man im NÖSK ernsthaft darüber nachdachte, Meisterschaftsspiele der Kinder gar nicht mehr zu besetzen. Mittlerweile eingetreten, besetzt werden Spiele erst ab U11 mit einem Verbandsschiedsrichter.

Ein Grund liegt sicher in der immer ernster werdenden Personalnot, aber auch im Verhalten der Funktionäre, Betreuer und besonders der Eltern, die sich am Spielfeldrand gebärden und den Schiedsrichter beschimpfen, bedrohen und für die Niederlage ihres Kindes verantwortlich machen. Das alles „nur“ bei einem Fußballspiel.

Um ein Honorar von € 40,- mehrere Stunden für Zeitaufwand, Anreise mit Benzinkosten, Besuch von Regeldiskussionen und Lauftests usw. tut sich das so mancher Unparteiische eben nicht mehr an und zieht sich zurück oder will pro Wochenende nur mehr ein Spiel leiten. Auch seine Familie und seine Kinder wollen den Papa mal zuhause haben oder gemeinsame Aktivitäten planen.

Wir aber brauchen schon bei jedem Freundschaftsspiel der Kinder einen Schiedsrichter, weil es ohne diesen ja gar nicht mehr funktionieren würde!

Schaut man sich die „Offiziellen Nachrichten“ des NÖFV Woche für Woche an, kann man den Klagen schon etwas abgewinnen. In einer Rekordwoche wurden alleine aus Verfehlungen im Nachwuchsbereich 22 Geldstrafen in Höhe von € 1060,- verhängt. Da fehlen Spielercards, dort setzt man sogar Spieler ein, deren Anmeldeschein noch gar nicht weitergeleitet wurde und das Kind natürlich am Sonntag noch nicht im System ist. Eine Welt bricht zusammen, wenn das „Burli“ erst eine Woche später mitkicken kann; seelische Schäden werden befürchtet. Erklärung an den Schiri: “die in St. Pölten brauchen immer so lange“. Hallo – geht`s noch?

Die Geldstrafe und die Strafbeglaubigung bekämpft man dann mit allen Mitteln, zeigt den Kindern vor, dass man sich die eigene Unzulänglichkeit nicht gefallen lässt und lieber lügt.

Die Schimpftiraden und Schuldzuweisungen in der Kabine, in der Kantine oder im Klublokal auf den Verband möchte man sich gar nicht vorstellen. Proteste bei U11 Spielen an der Tagesordnung, reihenweise Strafen für Offizielle wegen diverser Delikte usw.

Aber auch Trainer stehen oft im Kreuzfeuer der Kritik der Eltern, jeder weiß es besser, selbst engagieren will man sich aber nicht.

Vorbilder für die Jugend, für die eigenen Kinder?

Passiert nicht nur beim Fußball. Der Trainer einer Handballmannschaft zieht die Reißleine, als ihn gar ein Präsidiumsmitglied – auf der Tribüne und vor Frau und Kindern – wegen vermeintlicher taktischer Fehler aufs Übelste beschimpft. Respekt!

Schon in der NÖFV – Trainerausbildung setzt man einen Schwerpunkt gegen diese Unart beim Kinderfußball. Übermotivierte Trainer, Betreuer und ehrgeizige Eltern sollen keinen Druck auf die Kinder ausüben, bald verlieren diese den Spaß und spielen lieber FIFA 17, auf ihrer PlayStation und alleine.

Der NÖFV hat vor einiger Zeit bereits Aktionen gestartet, die dem Trend entgegenwirken sollen. Mit der „Roten Karte“ sollten Zuschauer auf „freundliche“ Weise auf Fair Play und Ruhe hingewiesen werden. Die „Tabu Zone“ sichert zumindest, dass sich Zuschauer und Nicht-Offizielle hinter der Barriere oder außerhalb der Sicherheitszone, schon gar nicht am Spielfeld aufhalten.

 

An den 10 Leitsätzen des ÖFB für den Kinderfußball sollten wir uns orientieren:

  • Kinderfußball bedeutet Spielen, Spielen bedeutet Spaß

  • Das Wichtigste für die Kinder ist das Zusammensein mit ihren Freunden

  • Jeder sollte gleichviel zum Einsatz kommen

  • Lehren Sie die Kinder beides: Gewinnen und Verlieren

  • Mehr Übungen – weniger Matches

  • Kinderfußball soll abwechslungsreich und vielseitig gestaltet werden

  • Vermitteln Sie den Respekt vor dem Gegner und dem Schiedsrichter

  • Die Spiele sind für die Kinder und nicht für die Erwachsenen

  • Versuchen wir zusammen für die Kinder einen „beglückenden“ Fußball zu schaffen

  • Beschaffen Sie Ihrem Kind auch eine kindgerechte Ausrüstung